Wissenswertes für
Eltern
Inhalt
(Anmerkung: Die meisten der
hier aufgeführten Artikel sind zu finden in "Das Online - Familienhandbuch" -
Alles über Schule, Erziehung, ...,
eine hervorragende Website
des Staatsinstituts für Frühpädagogik, München)
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Konzentration [1]Das höchste Gebot der guten
Pädagogik ist es, gegen alle Zerstreuung zu arbeiten. Johann Wolfgang von Goethe,
Wahlverwandtschaften Konzentration
bedeutet:
Aufnahmebereitschaft
auslösen | | Aufmerksamkeit
steigern |
Sinne
schärfen |
Gedanken
und Gefühle ordnen |
mehrkanalig lernen |
Kreativität
und vernetztes Denken fördern |
Informationen
nachhaltig speichern |
Energiereserven
aufladen |
„Dieses
Kind kann keine fünf Minuten sitzen bleiben und sich mit einer Sache
beschäftigen!“ Wer kennt dieses Problem nicht? Kaum hat sich das Kind
für ein Spiel oder ein Buch entschieden, ertönt schon der Satz: „Ich
bin fertig!“ Dann hampelt es ziellos im Raum herum und kann sich trotz
des vielfältigen Spieleangebots zu nichts so richtig entschließen. Es
wird unzufrieden und beginnt zu nerven. Immer wieder stellen Sie sich
die Frage „Wie kommt es, dass dieses
Kind so unkonzentriert ist?“
Zunächst
einmal zu Ihrer Beruhigung: Es müssen nicht immer Konzentrationsstörungen
vorliegen. Vielleicht erwarten Sie nur zu viel. Für ein Vorschulkind
ist es schon eine beachtliche Leistung, 20 Minuten lang einer Beschäftigung
nachzugehen. Und von einem Schüler, der abgeschlafft
nach Hause kommt, können Sie nicht erwarten, dass er sich sofort
konzentriert an die Hausaufgaben setzt. Ständige Ermahnungen im
Unterricht und Familienkräche helfen da
wenig. Hier ist vielmehr Ihre Beobachtungsgabe gefragt: Wann und wo kann
sich dieses Kind am besten konzentrieren, wie kann ich ihm dabei helfen?
Im
übrigen sind Sie mit diesen Problemen nicht allein. In den pädagogischen
Beratungsdiensten gehören Abgelenktsein und mangelnde Konzentration zu
den am häufigsten genannten Erziehungs- und Schulproblemen. Wen
wundert's? Schließlich zwingt uns das moderne Leben immer mehr, unsere
Aufmerksamkeit gleichzeitig auf verschiedene Dinge zu lenken. Beim
Spazieren gehen müssen wir auf den Straßenverkehr achten, beim Kochen
das Handy bedienen, beim Fernsehen noch schnell die Nägel lackieren,
unter der Dusche den Einkaufszettel fürs Wochenende entwerfen und beim
Einkauf auf die Preise, die Handtasche, die quengelnden Kinder achten
und auch noch an das Geburtstagsgeschenk für den Opa denken.
Tagtäglich
vollführen genervte Berufstätige den Seiltanz zwischen Arbeit und
Familie. Sicher, dieser stressigen Alltagsakrobatik können sich nur
wenige entziehen.
Aber muss sie sich wirklich so massiv auf die Erziehung unserer Kinder
auswirken? Haben Sie sich schon mal gefragt, welches Vorbild Sie in
punkto Konzentrationsfähigkeit abgeben? Vielleicht neigen auch Sie
dazu, wenn Sie abends Ihrem Kind ein Buch vorlesen, sich ständig vom
Telefon unterbrechen zu lassen oder beim Abendessen fernzusehen? Oder während
ein Kind Ihnen etwas erzählt, ungeduldig durch den Gruppen- oder
Klassenraum zu laufen. Aber von Kindern fordern wir, sie sollten sich Mühe
geben, sich konzentrieren, sich nicht ablenken lassen, sich ein für
allemal merken, was gesagt oder gezeigt wurde. Aber sind wir Erwachsene
so ohne Weiteres in der Lage dazu?
„Eben
hab ich's noch gewusst.“ Tja, Konzentration stellt sich nun mal nicht
per Knopfdruck ein! Vielleicht haben auch Sie schon die Erfahrung
gemacht, dass Sie sich auf einem Fest mit einem interessanten Menschen
angeregt unterhielten. Zu Hause angekommen wissen Sie plötzlich nicht
zu sagen, ob derjenige eine Brille trug oder welche Haarfarbe er hatte.
Und doch, beim nächsten Zusammentreffen, Monate später, erkennen Sie
diesen Menschen sofort wieder. In diesem Fall braucht Sie die Frage
„Leidest du schon an Alzheimer?“ nicht zu beunruhigen. Denn unser
Gedächtnis ist kein Koffer, den wir auf Kommando - z.B. bei Prüfungen
- öffnen können. Wir merken uns Einzelheiten nicht wie Vorräte im
Kopf, sondern vielmehr als Netzwerk von Eindrücken, die bei bestimmten
Anlässen wieder aufleben.
Ist dieses Netzwerk jedoch mit Sinnesreizen und Informationen überfrachtet, dann kann kein klarer Gedanke aufkommen. Und wer hat bei dem stetig wachsenden Erfolgs- und Zeitdruck, dem hohen Stress- und Lärmpegel noch die Muße, sich auf eine Sache so einzulassen oder einen Gedanken so zu vertiefen, dass alles andere in Vergessenheit gerät? Konzentration und Entspannung haben nur dann eine Chance, wenn wir einen Wahrnehmungsfilter entwickelt haben, der uns hilft, das Wichtige vom Unwichtigen, das Sinnvolle vom Nutzlosen, das Informative vom Ablenkenden zu trennen. Wenn diese mentale Selektionsfähigkeit schon bei uns Erwachsenen nicht immer funktioniert, wie mag es dann erst Kindern gehen, bei denen sie noch unzureichend entwickelt ist?
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Kinder
sind der Reiz- und Informationsflut hilflos ausgesetzt. Die zahlreichen
Umwelteindrücke und die Bildermacht der Medien sind allgegenwärtige
Verführungen. Und ihr Preis ist hoch: Nervosität und Überreiztheit,
psychische Überforderung und Unausgeglichenheit,
geistige Ablenkung und Verwirrung. Manche
Kinder entwickeln sich zu kleinen „Zappelphilippen“, die überall
ein Bündel an überschüssiger Energie mit sich herumtragen. Vor allem
aggressive Kinder leiden unter ständiger physischer und psychischer
Anspannung, die motorische Unruhe und Konzentrationsprobleme auslöst.
Andere Kinder wiederum ziehen sich in eine Welt der inneren Bilder und
Gedanken zurück, träumen still vor sich hin in den Tag hinein und
werden zu kleinen „Hans-guck-in-die-Luft“.
Konzentrationsschwäche macht sich meist in Form von störenden
Nebengedanken oder ablenkenden Gefühlen bemerkbar. Sie treten vor allem
dann auf, wenn Kinder:
• unter psychischer Anspannung leiden (z.B. Konflikte
mit Eltern, Freunden, Erziehern oder Lehrern)
• unter physischer Anspannung leiden (z.B.
Bewegungsmangel, Müdigkeit, Hunger, Durst oder Schmerzen)
• von äußeren Bedingungen abgelenkt werden (z. B.
Hitze, Kälte, Unordnung oder starker Lärm)
In
seltenen Fällen können schwerwiegende Symptome auftreten, wie z. B.
die Abkehr von der realen Außenwelt, Desorientierung oder schwere Gedächtnisstörungen.
Stark konzentrationsgestörte Kinder
fassen einen Inhalt unzureichend oder gar nicht auf, sind schwer
fixierbar und handeln ohne Rücksicht auf die wirkliche Situation. Bei
schweren Krankheitsbildern treten auch Störungen des Selektionsvermögens
auf. Die Kinder sind dann in ihren Gedanken, Wahrnehmungen und
Reaktionen zeitweise blockiert, verstärkt empfindlich und gestresst.
Depressive Kinder neigen dazu, ihre Gedanken ständig kreisen zu lassen
und ins Grübeln zu fallen. Dann leiden auch sie unter Denkblockaden.
Solche schweren Konzentrationsstörungen und Unruhezustände können mit
Übungen und Spielen nicht behoben werden. Hier ist eine fachliche
Beratung und Behandlung erforderlich.
Auf die ständige Ermahnung, sich jetzt endlich zu konzentrieren, reagieren Kinder meist mit Hilflosigkeit. Denn dieselben Erwachsenen, die gerade noch das vielseitige Interesse des Kindes gelobt haben, erwarten plötzlich unter dem Drohruf „Konzentration!“ die volle Wachheit für eine Sache oder einen Inhalt. Also, wie soll man es ihnen recht machen und vor allen Dingen, was bedeutet dieses alles entscheidende Wort? Ich jedenfalls habe als Schülerin bei dem Spruch „Jetzt konzentriere dich doch 'mal!“ die Stirn kraus gezogen, den Kopf auf die Handflächen gestützt, den Lehrer in Denkerhaltung interessiert angeschaut und trotzdem an meine Ritterburg zu Hause gedacht. Und nicht viel anders scheinen es noch heute die meisten Kinder zu handhaben. Wir benutzen das Wort Konzentration zu Hause und in der Schule ganz selbstverständlich. Nur welches Kind vermag es schon zu verstehen? Fragen Sie mal im Freundeskreis herum und Sie werden die verschiedensten Antworten hören: „Nachdenken“, „sich intensiv beschäftigen“, „sich etwas merken“, nicht ablenken lassen“, „Gehirn trainieren“ ... Mal ehrlich, wissen Sie, wie vielschichtig dieser Begriff ist und was er uns alles abverlangt?
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Die
Frage lässt sich erst nach einem kleinen Exkurs durch die
neurologischen, psychologischen und pädagogischen Definitionen
beantworten. Über das lateinische Wort "concentrare“, d.h. in
einem Punkt vereinigen, haben Wissenschaftler unterschiedlicher
Disziplinen viel nachgedacht: Die Psychologen legen bei
Konzentration großen Wert auf die Aufmerksamkeit, d.h. die aktive
Hinwendung auf einen bestimmten Bewusstseinsinhalt unter gleichzeitiger
Ablenkung anderer. Es geht um die Klarheit des Erlebens, also um die
Selektion der Reizangebote aus der Umwelt, um die Ausblendung aller
momentan unwichtigen Wahrnehmungsstimuli, um eine Einengung des
Gesichtskreises bei gleichzeitiger Wahrnehmungssteigerung. Erst dann können
die benötigten Reize gebündelt, verstärkt und die
Konzentrationsaufgabe erfolgreich durchgeführt werden. Dabei spielt die
richtige Dosis an Motivation eine entscheidende Rolle. Denn erzwungene
Anspannung oder geballte Willensanstrengung können das Wahrnehmungs-
und Konzentrationsvermögen blockieren.
Die
Hirnforscher definieren Konzentration als individuell
unterschiedlich ausgebildete Fähigkeit, Sinneswahrnehmungen und
Bewusstseinsinhalte zu registrieren, über längere oder kürzere Zeit
zu speichern und bei geeignetem Anlass wieder hervorzuholen. Das Gedächtnis
spielt eine fundamentale Rolle beim Verstehen, Beurteilen und Lernen,
bei der Organisation unserer Handlungen, Gedanken und Sprache. Jede
Sekunde unseres bewussten Denkens und Handelns wird von dieser
Kommandozentrale koordiniert. Ein Heer von Wissenschaftlern versucht
derzeit ihre Funktionsweise zu entschlüsseln. Eine Erfolgsmeldung kam
Ende 1997 aus amerikanischen Labors: Neuropsychologen identifizierten
eine groschengroße Region im Gehirn, die das innere Sprechen steuert.
Dieser innere Monolog ist ein wichtiges Arbeitsprinzip unseres Gedächtnisses.
Mit seiner Hilfe merken wir uns z. B. Telefonnummern oder besondere
Eindrücke als „innere Worte und Bilder“. Wie stark die geistigen
Leistungen vom Gedächtnis abhängen, zeigen Kinder zwischen dem fünften
und achten Lebensmonat. Dann können sie sich erstmals an den Platz
eines Spielzeugs erinnern, nachdem sie kurzfristig abgelenkt wurden. Je
älter Kinder werden, desto mehr Informationen können sie speichern.
Und die Speicherung ist um so nachhaltiger, je mehr Sinne dabei
beteiligt sind und für eine optimale neuronale Vernetzung sorgen.
Die
Pädagogen legen Wert auf effektives Lernen: Für sie bedeutet
Konzentration die bewusste Hinwendung der Wahrnehmungs- und. Denktätigkeit
auf einen Lerninhalt. Aber bloße Wissensvermittlung reicht nicht aus!
Elternhaus und Schule müssen auch das „Lernen lernen und lehren!“
Warum? Weil Schüler ohne effektive Lerntechniken nicht selbstständig
werden können. Die Ergebnisse der Schulerfolgsforschung belegen, dass
30-40% der Leistungsunterschiede nicht etwa auf mangelnde Begabung der
Schüler, sondern auf ihr Lern- und Arbeitsverhalten zurückzuführen
sind. Und dieses entwickelt sich nicht autonom, es bedarf der Anleitung
aus dem familiären und schulischen Umfeld.
Was Sie wissen sollten
Das Bildungsziel „Das Lernen lernen“ postulierte Humboldt bereits
1809 im Königsberger Schulplan. Es wurde in den zwanziger Jahren zwar
von den Reformpädagogen Gaudig, Kerschensteiner und Petersen in der
Schulpraxis erprobt. In der curricularen Pädagogik der siebziger
Jahre geriet es jedoch in Vergessenheit.
Fassen
wir diese Definitionen zusammen, dann ergeben sich folgende Bedingungen
für eine effektive Konzentration: gesteigerte Aufmerksamkeit,
Selektion und Fokussierung der Sinne, Gedanken und Gefühle auf einen
Inhalt, auf ein Objekt oder eine Handlung und ihre nachhaltige
Speicherung im Gedächtnis. Es wird deutlich, dass eine bloße
Ermahnung diese Spannbreite an mentalen Leistungen nicht auszulösen
vermag. Kinder müssen wieder lernen, sich auf Wesentliches zu
konzentrieren und Ablenkungen zu widerstehen. Denn die Lern- und
Konzentrationsfähigkeit wird eine Schlüsselqualifikation für ihre
berufliche Zukunft sein. Konzentration kann und muss trainiert werden.
Aber Vorsicht: „Üben, üben, üben“ hilft nur begrenzt! Das
Training sollte über Konzentrationsübungen hinaus ganzheitlich
angegangen werden. Es geht darum, neue Aufnahmebereitschaft und
Aufmerksamkeit unter Einbeziehung möglichst vieler Sinne, d.h. mit
Kopf, Herz und Hand auszulösen. Dem hohen Anspruch eines ganzheitlichen
Trainings werden Sie gerecht, wenn Sie die folgenden sieben Säulen
gelungener Konzentration beachten:
Konzentrationsschwächen
werden oft durch individuelle Probleme ausgelöst. Sie resultieren aus
dem:
• Energiebereich: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Nervosität, Bewegungs-
und Sauerstoffmangel
• Lernbereich: mangelhafte Motivation und Arbeitshaltung, fehlende
Vorkenntnisse
• Gefühlsbereich: akute emotionale Sorgen oder Ängste
• Sozialbereich: Konflikte in der Gruppe oder Klasse
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In
so manchen Kinderzimmern, Gruppen- oder Klassenräumen gibt es einfach
zu viele Ablenkungen. An den Wänden hängen unzählige Zeichnungen und
Plakate, die Regale sind mit diversen Bastelarbeiten voll gestopft und
von der Decke baumeln bunte Mobiles. Wo sollen Augen und Hirn die nötige
Ruhe zur Konzentration finden? Bitte sorgen Sie für möglichst viele
klare Flächen und Farben, für Ordnung und Übersichtlichkeit, für räumliche
Ruhe und Ausgewogenheit.
Denken
Sie daran: mit der Ermahnung „Jetzt konzentriert euch mal!“ ist es
nicht getan. Immer wenn wir abstrakte Begriffe wie „Konzentration“
verwenden, sollten wir mit mentalen Bildern oder immer wiederkehrenden
Ritualen die Vorstellungskraft der Kinder aktivieren und ihre
Faszination wecken. Und das Gehirn ist auch für die Kleinen etwas
Beeindruckendes. Natürlich können sie seine Funktionsweise noch nicht
im Detail verstehen, aber schon Erstklässer hören gerne die Geschichte
vom „wundervollen Werkzeugkasten“, den jeder von uns im Kopf hat und
der nie voll wird. Konzentrationsphasen lassen sich gut einleiten mit
immer wiederkehrenden Liedern, Stofftieren (z.B. der hellwache Panther
auf dem Pult) oder Symbolen
(z.B. Abbildungen wie Glühbirne, offener Werkzeugkasten) nach dem
Motto: „Achtung, es ist Zeit, die Glühbirne im Kopf einzuschalten und
den Werkzeugkasten weit zu öffnen!“ Aber auch Stille hat eine große
Signalfunktion: Sie vermag Aufmerksamkeit und konzentriertes Zuhören
einzuleiten. Setzen Sie bei großer Unruhe eine vereinbarte Stille-Regel
ein, z. B. wenn mehr als einer redet, halten alle Kinder inne und
reagieren nicht mehr. Sie schweigen solange, bis geklärt ist, wer nun
an der Reihe ist. Dies führt vielleicht am Anfang zu Gelächter, aber
sehr schnell lernen die Kinder mit Stille umzugehen und sie zu genießen.
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Nur
in einer klaren Umgebung haben klare Gedanken eine Chance. Richten Sie
daher zu Beginn einer jeden Konzentrationsphase Ihr Augenmerk auf den
Arbeitsplatz der Kinder. Erklären Sie ihnen, welches Material für die
Konzentrationsaufgabe erforderlich ist. Alles Unnötige und Ablenkende,
wie Hefte, Bücher oder Blätter, wird vom Tisch geräumt. Denn die
Kleinen sind noch keine großen Genies, die selbst im Chaos strukturiert
denken. Der Arbeitsplatz ist nun vorbereitet, aber wer kann sich schon
konzentrieren, wenn im Kopf noch viele Gedanken umherschwirren. Es gilt
also, das Gehirn von ablenkendem Ballast zu befreien mit Hilfe eines
kleinen „Denkzettels“:
„Wenn es noch Gedanken in eurem Kopf gibt, die euch stören, oder wenn ihr glaubt, dass ihr euch unbedingt an etwas erinnern müsst, dann schreibt oder malt es kurz auf. Ihr habt fünf Minuten Zeit.“
Dieser
kleine Denkzettel verschwindet dann rasch im Schulranzen. Nun gilt es,
die Gedanken der Kinder auf den neuen Konzentrationsstoff zu lenken. Je
nach Lerninhalt kann dies überraschend geschehen oder bei vernetzten
Aufgaben, die nach und nach bewältigt werden sollen, ist ein
„Denknetz“ sehr hilfreich. Aus ihm können die Kinder das Lernziel,
die hierzu erforderlichen Konzentrationsschritte und ihre Vernetzung
entnehmen. Der Lernprozess wird transparent und die Kinder arbeiten
motivierter, vor allem wenn sie das Denknetz gemeinsam erarbeitet haben.
Diese Mind Map-Methode hilft Ihnen, sich effizient Notizen zu machen und
Aufsätze und Referate optimal vorzubereiten. Anders aber als bei der
traditionellen Art, etwas linear zu notieren, wird beim Mind Mapping
netzartig notiert. Es werden so genannte „geistige Landkarten“
angelegt. Die Gedanken können dann strukturiert, d.h. organisiert
werden. Ob zur Gedankenordnung, zur Vorbereitung eines Referates oder
zum Strukturieren komplexer Themen - der Struktur des Gedächtnisses ist
diese
Methode wesentlich adäquater, d.h. Mind Mapping ist vor allem auch eine
Technik zur Verbesserung der Gedächtnisleistung und der Konzentrationsfähigkeit.
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Jetzt
gilt es, die Informationen und Wahrnehmungen kognitiv aufzunehmen, zu
verarbeiten und zu speichern, d.h. sie dem Kurz- oder Langzeitgedächtnis
zuzuleiten. Es ist die Phase der geistigen Durchdringung und Vernetzung:
Welche Verbindung kann zwischen der neu erworbenen Erkenntnis und dem
alten Lernstoff gezogen werden? Wie passt alles zusammen? Hier einige
Tipps zur effektiven Informationsverarbeitung:
Erarbeiten
Sie mit den Kindern den Lernstoff nicht nur lesend und betrachtend.
Nutzen Sie auch andere Lernkanäle wie Sprechen, Malen und vor allem
praktisches Umsetzen. Fragen Sie sich immer wieder, ob Sie beide Gehirnhälften
der Kinder aktivieren: Kann Mathematik mit Rhythmus oder Sprache mit
Bewegung gekoppelt werden? Der bekannte Biochemiker Frederic Vester
stellte fest: „Je mehr Wahrnehmungsfelder im Gehirn beteiligt sind,
desto mehr Assoziationsmöglichkeiten für das tiefere Verständnis
werden vorgefunden, desto größer werden Aufmerksamkeit und
Lernmotivation."[2]
Geben
Sie den Kindern so oft wie möglich die Gelegenheit, Wichtiges in
Stichworten wiederzugeben, Fragen zu stellen und zu beantworten, sich
gegenseitig abzuhören. Schließen Sie Wissenslücken z.B. nach
Klassenarbeiten durch gezieltes Wiederholen und Auffrischen der Inhalte.
Wir
brauchen sie alle im Alltag, die berühmten Eselsbrücken. Also warum
sie nicht gleich bei schwierigem, abstraktem Lernstoff herstellen?
Weitere effektive Gedächtnishilfen sind Grafiken, Merkverse und
Merklieder. So kommen auch visuell oder rhythmisch veranlagte Lerntypen
zum Zuge. Und wenn der Lernstoff sehr komplex ist, können die Kinder
gemeinsam eine Lernkartei erstellen.
Wer
kennt es nicht, das sture Vokabeln aufsagen, das von kurzfristigem
Erfolg gekrönt ist. Langfristiger und nachhaltiger sind Vokabeln
memorisierbar, wenn Bewegung und möglichst
viele Sinne mitspielen:
erst
still lesen, dann gehend und laut wiedergeben. Dabei den betreffenden
Gegenstand anfassen, z.B. door = Tür berühren. Schwer merkbare
Vokabeln werden auf große Plakatkartons geschrieben und für alle
sichtbar aufgehängt. Nach 8 bis
10 Vokabeln sollte eine Pause gemacht werden. Übrigens: Unser Gedächtnis
vermag nicht mehr als 30 bis 40 Vokabeln pro Tag zu speichern!
So
manche Matheaufgabe ist einprägsamer, wenn sie in einem übersichtlich
gestalteten Heft mit getrennten Haupt- und Nebenrechnungen und mit bunt
hervorgehobenen Merksätzen steht. Übrigens: Mathe-Hausaufgaben sollten
möglichst am selben Tag gemacht werden, an dem sie gegeben wurden.
• Tipps zum Textlernen:
Texte
lassen sich in kleinen Teilschritten effektiver erarbeiten und
memorisieren:
1. Kurz überfliegen 2. Gründlich lesen
3. Wichtiges unterstreichen,
herausschreiben oder malen
4. Inhalt in eigene Worte fassen, Fragen
stellen 5. Zweites Mal lesen
6. Vertiefen durch Gesprächsaustausch.
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Hohe
Konzentrationsleistungen erfordern hohen Energieverbrauch. Hierin
unterscheidet sich das Gehirn nicht von einer Batterie oder einem Akku.
Wenn die Energiereserven aufgebraucht sind, geht nichts mehr. Hier
einige Tipps, um dies zu verhindern:
In
so manchen Kinder- und Klassenzimmern ist die Luft zum Durchschneiden.
Bitte bedenken Sie: Das Hirn macht zwar nur 2% unserer Körpermasse aus,
aber es benötigt 50% der Glukose und 25% des Sauerstoffes. Und volle
Wachheit kann in den Köpfen der Kinder nur herrschen, wenn sie durch
Bewegung im Freien oder regelmäßiges Lüften der Räume genügend
Sauerstoff zugeführt bekommen. Ansonsten schalten ihre „Glühbirnen“
auf Notstrom und die Konzentrationsfähigkeit erlahmt.
Für
den erfolgreichen Start in den Tag sollte ein gesundes Frühstück mit
viel Obst, Säften, rohem Gemüse, Jogurt und Vollkornbrot sorgen. Aber
der Blick in so manche Butterbrotdose lässt viel zu wünschen übrig:
Weißbrot, Brötchen, Kuchen, Süßigkeiten oder - nichts! Die bei
Kindern zweifellos sehr beliebten Leckereien mindern die Leistungsfähigkeit
erheblich. Der zunächst rasch erhöhte Blutzuckerspiegel fällt
drastisch ab, es stellt sich eine Unterzuckerung ein, die zu
Konzentrationsschwäche und Abgeschlagenheit führt. Also: Vorsicht vor
all dem Zuckerwerk, denn es bringt zwar, wie die Werbung für
Schokoriegel behauptet, „verbrauchte Energie rasch zurück“, aber
der Leistungsabfall kommt um so schneller. Hier der kleine Tipp eines
Grundschullehrers: Küren Sie wöchentlich oder monatlich den
„Frühstückskönig oder die –königin“ der Gruppe. Sie glauben
gar nicht, wie schnell die Kinder nur Gesundes in den Butterbrotdosen
haben wollen und nebenbei ihre Eltern „umerziehen“.
Das
Hirn braucht wie ein Akku die Gelegenheit zum Aufladen und Auftanken.
Dieser Zeiteinsatz ist kein Verlust, sondern vielmehr Garant für
erfolgreiches Konzentrieren. Jeder Mensch hat seinen individuellen
Rhythmus von Leistungsfähigkeit und Ruhebedürfnis. Der amerikanische
Wissenschaftler Ernest Rossi[3]
fand heraus, dass dieser Rhythmus mit den Aktivitäten der einzelnen Körperzellen
zusammenhängt. Während der Körper Erholung sucht, befinden sich die
Zellen im Regenerationsstadium. Erst nach ca. 20-30 Minuten leiten sie
dem Gehirn die Information weiter, dass dieser Prozess nun abgeschlossen
ist. Erst dann können wir unsere Aufmerksamkeit nach außen lenken.
Dieser Zeitraum ist zwar für den Unterricht zu lang, aber die Leistung
steigt bereits um 30%, wenn folgender Rhythmus eingehalten wird: Je nach
Alter 10-30 Minuten konzentrierte Anspannung, dann drei Minuten
Entspannung. Übrigens, wussten Sie, dass uns konzentriertes Arbeiten am
leichtesten von 7 bis 10 Uhr und von 17 bis 20 Uhr fällt?
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Nach
erfolgreicher Konzentration sollten Sie die Kinder auch mal loben. Denn
das Gehirn verfügt über ein „Belohnungszentrum“. Unser Organismus
schüttet nach der Anerkennung einer gelungenen Aufgabe Dopamin aus.
Dieser Neurotransmitter bzw. Botenstoff des Zentralnervensystems ruft Glücksempfindungen
hervor. Die Neuronen speichern das positive Erlebnis und verlangen nach
mehr. Großer Lernerfolg ist also höchstwahrscheinlich auch das
Resultat vieler Dopaminausschüttungen und immer wiederkehrender Glücksgefühle.
Wenn
Sie, liebe Eltern, noch einige kleine Ratschläge beherzigen, dann rückt
das Wunschziel nach konzentrierten Kindern immer näher:
Möglichst
zu festen Zeiten und nicht gleich nach dem Mittagessen machen, denn ein
voller Bauch studiert nicht gern. Mit leichten Aufgaben beginnen und
langsam steigern. Eventuell kleinen Tagesplan anfertigen, Erledigtes
abhaken, kurzes zusammenfassendes Gespräch und Lob aussprechen.
Wenn
das Kind im Kindergarten oder in der Schule viel gesessen hat, dann
braucht es zu Hause dringend Bewegung. Ein kleiner Spaziergang oder
Dauerlauf vor den Hausaufgaben bringt Sauerstoff ins Hirn und beruhigt
die Nerven.
Hat
das Kind im Kindergarten und in der Schule kaum Gelegenheit gehabt, eine
Sache in Ruhe zu Ende zu führen, weil es ständig von den anderen gestört
wurde? Dann sollte es wenigstens am Nachmittag eine Atmosphäre
vorfinden, in der es konzentriert und ungestört spielen kann. Es
braucht Raum und Zeit, um seine Interessen herauszufinden und auszuprägen,
um sich ungestört auf eine Sache oder einen Menschen einzulassen.
So
manch ein hausaufgabengeplagter Schüler schwört auf die beschwingende
Wirkung seiner Lieblingsmusik. Zu Unrecht! Zwar stört die
Musikuntermalung nicht bei einfachen Aufgaben, z. B. beim Abschreiben
eines Textes, aber für konzentriertes Arbeiten ist sie ein Fehler- und
Ablenkungsfaktor! Es ist sinnvoller, Musik gezielt für Erholungspausen
zu nutzen.
Wer
andere zur Konzentration anleiten möchte, sollte sein eigenes Verhalten
in dieser Hinsicht kritisch beobachten.[4]
Machen Sie nicht alles gleichzeitig. Zeigen Sie Ihrem Kind deutlich, wofür
Sie sich jetzt entschieden haben. Und sagen Sie ihm ruhig, dass Sie bei
Arbeiten, die Konzentration erfordern, nicht gestört werden wollen.
Jedem Kind macht es Spaß, mit den Eltern gemeinsam etwas Großes herzustellen, ein Vorhaben anzugehen, das lange dauert, das die volle Aufmerksamkeit erfordert und in vielen Teilschritten zum Erfolg führt. Sie werden sich wundern, wie konzentriert und freudig Ihr Kind an einer Ritterburg aus Karton baut, an einer Seilbahn durchs Kinderzimmer oder an einer Hütte im Wald. Wichtig ist nur, dass Sie mitmachen und Ihr Kind zunächst in den einzelnen Phasen des Vorhabens begleiten. Später werden Sie feststellen, dass es nur noch zu Projektbeginn Ihre Anwesenheit benötigt. Dann wird es Ihre Ratschläge allein über lange Zeit konzentriert umsetzen. Es ruft nicht mehr wie früher nach kurzer Zeit „Ich bin fertig“, sondern sagt „Ich rufe dich, wenn ich fertig bin!“
[1] Aus: Liebertz, Charmaine; Das Schatzbuch ganzheitlichen Lernens, Don Bosco / Spectra = Quelle
[2] Vester, F.; Denken, Lernen, Vergessen, München 1992, S.142
[3] Rossi, E.; 20 Minuten Pause, Paderborn 1993
[4] Ein kleiner Tipp: Fragebogen zur Selbsterkundung und –beobachtung Ihres eigenen Konzentrationsverhalten finden Sie in: KIKO, Kinder konzentrieren sich. In dieser vom Schroedel Verlag herausgegebenen Sammelmappe finden Sie effektive Übungen zur Unterstützung des Lernens für die Klassen 1 – 6.
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Konzentrationsübungen
Staatliches
Studienseminar Hamburg
Thomas Unruh & Dr. Susanne Petersen
eine
Minute Stille aushalten - langsam steigern
Schweigen
lernen bzw. genießen (“Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“)
Kinderlieder
merken
auswendig
lernen (z.B. Gedichte)
Gedächtnis-
und Denkspiele
Kopfrechenübungen
Mandala
malen und ausstellen beim Vorlesen oder auch in der Freiarbeit (als
Joker für eine Phase des Sich-Nicht-Mehr-Konzentrieren-Könnens)
Stille
Arbeit (Wortlos, nur schriftliche oder mimische Kommunikationsformen
erlaubt)
Mit dem
Partner sich nicht unterhalten dürfen, sondern anders mitteilen
Joga
Traumreise
in das Land der Konzentration
bei leiser
Musik arbeiten lassen
Übungen in
Kunst und Musik - Sich auf Farben, Töne, Geräusche
konzentrieren,
die Wahrnehmungsfähigkeit schulen und trainieren
regelmäßiges
Vorlesen; beim Zuhören von Infos, Märchen oder Geschichten z.B.
nur 10 Wörter aufschreiben,
Austausch...
Jeder zieht
nur eine Frage, die er durch das Vorlesen oder einen Film, eine
Kassette beantworten kann.
Lückentexte
schreiben lassen
Fehler
finden lassen: L. kündigt an, dass sie oder er in seinem Text
Fehler untergebracht hat.
Wie stehe
ich auf, setze mich hin, ohne die anderen zu stören? Gemeinsame Übungen
(Tut mir das gut oder nicht?)
Übungsangebote
für einzelne oder für zwei
Stricken
& Sticken
Schachspielen
Puzzle
eine Runde
laufen
etwas
schnitzen
etwas malen
kleine Texte
auswendig lernen
eine
Knobelaufgabe lösen
ein
Kreuzworträtsel machen
Geduldsspiele
Kartenhäuser
Kugelspiele
Somawürfel
Computerspiele
Wie lange kannst du schweigen?