Metropolit von Myra, Wundertäter
* um 280/286 in Patara in Lykien, heute ein
Ruinenfeld bei Kalkan (?)
+ 6. Dezember zwischen 345 und 351 in Myra, dem heutigen
Kocademre bei Kale
Nikolaus trat in das seiner Heimatstadt nah gelegenen Kloster
von Sion ein und wurde um 300 zum Metropoliten von Myra
geweiht. Während der bald darauf einsetzenden
Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und
gefoltert. 325 nahm er am 1. Konzil von Nicäa teil.
Verbreitete Legenden über Nikolaus
erzählen: In einer verarmten Familie konnte er durch gezielte
Geldgeschenke, die er heimlich durchs Fenster und durch den
Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, verhindern, dass
der Vater seine drei Töchter zur Prostitution bewegen musste.
Drei zu Unrecht zum Tod Verurteilte konnte er retten, indem er
im Traum dem Kaiser erschien und um ihre Befreiung bat; in
anderer Version rettete sie Nikolaus, indem er das Schwert des
Henkers abwehrend ergriff. Um ein in Seenot geratenes Schiff
mit drei Pilgern, die von Ephesus ausfuhren und das für eine
christliche Kapelle bestimmte heilige Öl in den Diana-Tempel
zurückzubringen sollten, zu retten, begab er sich an Bord,
stillte den Sturm und brachte das Schiff sicher in den Hafen.
Drei Jungen fielen auf der Suche nach Arbeit dem Metzger in
die Hände, der sie in ein Pökelfass steckte und zu Wurst
verarbeiten wollte; sie waren schon zerteilt, als der Bischof
davon erfuhr und sie wieder zum Leben erweckte. Vom 15.
Jahrhundert an verbreitete sich die Legende von den
Getreidehändlern: Nikolaus erbat bei einer Hungersnot in Myra
von jedem der für den Kaiser in Rom bestimmten Schiffe nur 100
Scheffel und versicherte, dass durch sein Gebet nichts bei der
Ablieferung fehlen werde, was sich bewahrheitete; Nikolaus
aber konnte seine Gemeinde auf Jahre hinaus ernähren und sogar
Saatgut austeilen.
Der Kult um Nikolaus entwickelte sich etwa 200 Jahre später in
Griechenland und kam dann zunächst in die slawischen Länder.
Er wurde einer der beliebtesten Volksheiligen mit vielen
legendären Erzählungen, die vor allem seine
menschenfreundliche und hilfsbereite Art bezeugen. Über die
byzantinische Tradition wurde Nikolaus einer der am meisten
verehrten Heiligen Russlands, er folgt im Osten in der
Verehrung unmittelbar nach Maria. Nikolaus' zerbrochener
leerer Sarkophag wird noch heute in der wiederhergestellten
Unterkirche von Demre von Wallfahrern der Ostkirche verehrt.
Im 6. Jahrhundert wurde Nikolaus in der griechischen Kirche
verehrt, in Rom zog der Kult im
8. Jahrhundert ein, er verbreitete sich dann zunehmend auch in
Mittel- und Südeuropa. Um 980 entstand in Deutschland die
ersten Nikolauskirche in Brauweiler. Die 1087 von Piraten
entwendeten Gebeine brachte man Ende des 11. Jahrhunderts nach
Bari und errichtete auf den Trümmern des byzantinischen
Gouverneurspalastes die monumentale Basilika S. Nicola, die
Papst Urban II. 1098 weihte. Als Translationstag gilt der 8.
Mai, der in Bari mit einem großen Unzug begangen wird.
Zwischen dem 11. bis zum 16. Jahrhundert wurden diesseits der
Alpen über 2.200 Kirchen nach dem Heiligen Nikolaus benannt.
Nikolaus' Kult in Deutschland wurde im 10.
Jahrhundert besonders durch Kaiserin Thephanu, die griechische
Ehefrau des Kaisers Otto II., gefördert. Schon damals entstand
der Brauch, dass Nikolaus die Kinder beschenkt. Grundlage
hierfür war der Brauch des "Bischofsspieles" in
Klosterschulen, wo ein Schüler für einen Tag - zuerst am Tag
der "Unschuldigen Kindlein", dann am Nikolaustag - als
"Bischof" fungieren durfte.
Nikolaus gilt als Helfer in fast allen
Schwierigkeiten. Die Volksfrömmigkeit hat seinen Gedenktag mit
reichem Brauchtum liebevoll bedacht, seit 1555 ist Nikolaus
als Gabenbringer für Kinder belegt. Ansatzpunkte für Brauchtum
und seine zahlreichen Patronate finden sich in den Legenden.
Am Vorabend des Nikolaustages beschenkt er - oft zusammen mit
seinem Helfer, Knecht Ruprecht, die Kinder. Am Nikolausabend
stellen Kinder ihre Stiefel oder Strümpfe vor die Tür, diese
werden über Nacht von Nikolaus mit Süßigkeiten gefüllt. Der
Weihnachtsmann mit weißem Bart und rotem Gewand, der den
Kindern am Heiligen Abend die Geschenke überreicht, geht auf
den niederländischen "Sinterklaas" zurück; für die weltweite
Verbreitung dieses Bildes von Nikolaus sorgte um die
Jahrhundertwende die Firma "Coca Cola", die ihn für Werbung in
ihren Firmenfarben benützte. In Bari wurde neben Kirchen und
einem Platz auch das moderne Fußballstadion nach ihm benannt.
Auch in liberalen islamischen Familien beschenkt "Noel Baba"
die Kleinen.
Bild 1: Koptische Ikone
Bild 2: Ambrogio Lorenzetti: Der liebevolle Nikolaus, 1332,
Musée du Louvre, Paris
Bauernregel: