Hommage an einen
"Weltverschönerer"
Das Hundertwasser-Musical mit
Musik von Liedermacher Konstantin Wecker feierte eine gelungene Premiere
(Achim Conrad als Hundertwasser, Christie Noza als Amenoki, Geordia als
Afrika).
Uelzen(dpa). Er war ein
"schräger Vogel" - und für seine Kunst zog er sich sogar
splitternackt aus. Der weltberühmte Maler und Architekt Friedensreich
Hundertwasserhatte 1968 mit seiner "Nacktrede" gegen den
vorherrschenden Kunststil demonstriert und in Wien einen Eklat
provoziert. Im Theater sorgt der Hundertwasser-Darsteller heute kaum
noch für Wirbel, wenn er alle Hüllen fallen lässt und nur noch seine
Mütze trägt. Ein Musical über den im Jahr 2000 gestorbenen Wiener
Künstler wurde am Freitagabend (31.07.2004) in Uelzen uraufgeführt.
Die Musik dazu - mal kraftvolle Songs mit Ohrwurm-Charakter, mal sanfte
Balladen - komponierte der Liedermacher Konstantin Wecker.
Die rund 800 Premierengäste im ausverkauften Theater an der Ilmenau
erhoben sich nach der fast zweieinhalbstündigen Aufführung von ihren
Plätzen und spendeten minutenlang stürmischen Beifall. Hundertwasser
hatte als letztes Projekt vor seinem Tod den Bahnhof in der Kleinstadt
Uelzen umgestaltet und zu einer Touristenattraktion gemacht.
Das Musical, für das der aus Bremen stammende Autor Rolf Rettberg Buch
und Texte geschrieben hat, ist gespickt mit Seitenhieben auf die
Massenvermarktung von Hundertwassers Kunst. So kurbelt etwa sein
skrupelloser Manager "Mr. Money" im golden glänzenden Anzug
die Geschäfte an. Eine Humus-Toilette als Symbol für Hundertwassers
Umweltengagament sorgt für wiederkehrende Gags ebenso wie eine Wiener
Kulturstadträtin, die Mozartkugeln verfallen ist.
Ais roter Faden in der Geschichte dient die Reise des Weltenbummlers
Hundertwasser mit seinem Segelschiff "Regentag" nach
Neuseeland. Der Kälner Musicaldarsteller Achim Conrad singt und spielt
die Titelrolle gekonnt mit österreichischem Zungenschlag. Er
verkörpert Hundertwasser als Mann mit Visionen und Mahner für den
Frieden: "Jeder trägt in seinem Herzen ein Utopia."
Hundertwassers goldene Zwiebeltürmchen, bunte Säulen und Spiralen, die
sich im Bühnenbild wiederfinden, haben Millionen Anhänger. Seine Kunst
hat der hagere Mann mit dem Bart dem Kampf gegen gerade Linien und
rechte Winkel gewidmet. Zu Lebzeiten wurde er aber auch als
"Verkitscher" und "Fassadenverhübscher" geschmäht.
"Ich will die Welt nicht verändern, ich will sie
verschönern", hatte er gesagt.
Eine zentrale Rolle im Hundertwasser-Stück spielt auch der Holocaust
und die Beziehung des Malers zu seiner jüdischen Mutter, die in der
Nazi-Diktatur fast ihre gesamte Familie verloren hatte. Ein Hakenkreuz
hängt über der Bühne, ein jüdischer Chanuka-Leuchter ist zu sehen.
Dazu hat Wecker Melodien komponiert, die auch ein bisschen an jüdische
Klezmer-Musik erinnern.
Bis zum Oktober 2004 sollen fast 70 Vorstellungen in Uelzen gezeigt
werden. Von den 50000 Kartensind bereits 30 Prozent im Vorverkauf weg
gegangen.
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