Achtersinniges

Allerlei Gedichte
von Günter Breuer

Inhalt

Blauer Himmel Wenn du glaubst
Das Referat Der Dichter
Hoffnung Rat an Weise
Wohin Als neulich ...
Forsythie  

 

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Blauer Himmel, Sonnenschein

Blauer Himmel, Sonnenschein!
Ach, könnte es nur hier so sein!
Doch es regnet wie aus Kübeln.
Kann man es mir da verübeln,
dass ich traurig bin und sauer!?

Und schon wieder kommt ein Schauer,
tränkt die Erde um mich her,
als ob das jetzt nötig wär`!

Doch, als sollt`s nicht anders sein,
zeigt sich jäh der Sonnenschein!
Zarte Strahlen erst, dann mehr,
zaubern einen Bogen her,

der mit seinen bunten Farben
unser Aug`und Herz will laben.
Blauer Himmel, Sonnenschein;
könnt es nicht für immer sein?!

Günter Breuer

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Das Referat

Vor'm Referent' die Schüler sitzen,
der Referent allein muss schwitzen.
Er spricht von Goethe und so weiter,
die Stimmung ist nicht grade heiter.

Oh, Goethe, Mensch der leben tat,
du bietest Stoff für's Referat.
Doch wenn du nicht gedichtet hätt‘st,
wär's auch nicht gut, zu allerletzt,
denn deine wunderschönen Werke
(Oh, dass der Mensch sie sich doch merke!)
sind schön erbaulich für die Stunden,
die schönen und die frohen Runden.
Doch auch im stillen Kämmerlein,
da dringt man tief in "Faust" hinein.

Oh, wär es schon zuende doch!
Doch Blätter liegen noch und noch
dort auf dem Tisch des Referenten...

Doch was ist das, oh Schreck, oh Graus?!
Das Referat ist ja schon aus.
Jetzt ist's vorbei mit faulem Sitzen,
jetzt heißt es, im Gespräch zu schwitzen.
Oh, Referate kommt doch wieder,
oh, schöne Zeit für müde Glieder
!
 

Günter Breuer

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Der Dichter

Der Dichter dichtet wo er kann.
Und wenn er manchmal, dann und wann,
vergisst, was er sich grad‘ erdacht,
dann wird ein neuer Vers gemacht.

Doch hört er niemals auf zu dichten
und macht die schönsten Versgeschichten.
Wenn er dann nicht mehr dichten kann,
ist er bestimmt ein greiser Mann.

( von 70 oder 90 Jahren,
mit keinen oder weißen Haaren.)
 

Günter Breuer

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Hoffnung
Wenn du glaubst, es geht nicht mehr,
schau dich um, da ist noch wer,
der dich kennt, der dich versteht,
viele Wege mit dir geht.
Jemand, der auch Sorgen trägt
und seinen Arm dann um dich legt.
 Gib ihm ab von deiner Kraft,
hilf‘ ihm, dass auch er es schafft
neue Wege zu erschließen,
wo dann wieder Blumen sprießen,
wo du wagst ein Mensch zu sein.
Kein Mensch bleibt für lang‘ allein.  

Günter Breuer

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  Rat an Weise

          Ein Mensch, der meint, er könne denken,
          soll and‘ren seine Weisheit schenken,
          damit sie ebenfalls wie er
          dann denken können hinterher.

          Doch wär's nicht gut, zu allerletzt,
          wär‘ diese Welt mit dem besetzt, ...


         1. ...
was denken kann wie jedermann,
          drum lass ihn denken wie er kann
          und tu, als ob du denkst wie er,
          dann gibt es keine Streiter mehr.


       2. ... was denken kann wie du und ich,
          drum lass ihn denken wie ein Fisch,
          der dumm und träge in den Fluten
          sich nach der Nahrung nur tut sputen.
          Wir wissen, dass ein dummer Fisch
          uns nicht das Beste nimmt vom Tisch.

Günter Breuer

 

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Wenn du glaubst...

Wenn du glaubst, das Leben wird für dich nun schön beginnen
und du könntest deine eig'nen Wege gehn,
wenn du glaubst, vom "Bund" da gäb es doch noch ein Entrinnen,
 - ach, wie wäre das doch so utopisch schön.

Wenn du meinst, du hättest nun die Zügel selbst schon in der Hand
und könntest deinen Wagen lenken, wie du willst,
wenn du meinst, dass du nun ohne Hilfe vorwärts kommen kannst,
wirst du sehen, es geht doch nicht so wie du willst.

 Wenn du merkst, wie deine Jugend nur noch an der Wand zu hängen scheint,
in Form von Bildern und in bunte Rahmen eingefasst,
wenn du merkst, wie nun auch du in eine and‘re Welt dein Leben lenken musst,
dann hat in seiner Unerbittlichkeit auch dich der "Bund" erfasst.

 Wenn du fühlst, wie langsam keinen eignen Willen du mehr haben darfst,
und nur Befehle in dein Hirn sich drängen,
wenn du fühlst, wie mannhaft kindlich du dich nun benehmen musst,
dann muss ein tausendfacher Fluch sich durch die Zähne zwängen.

 Wenn du spürst, wie tausend Nadeln deine Füße martern
und Zentnerlasten dir im Rücken knien,
wenn du spürst, wie blutig dir die Füße schwellen,
so musst dennoch du marschierend weiterzieh‘n.

 Wenn du glaubst, nun haben sie aus deinem Körper Brei gemacht,
und man jeden deiner Knochen einzeln zählen kann,
wenn du glaubst, dass sich in deiner Welt bestimmt etwas geändert hat,
dann weißt du genau: Nun erst bist auch du ein richt‘ger Mann.  

Günter Breuer

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Wohin?

 Die Welt ist groß, doch wird sie bald
nicht größer sein als manch ein Wald
für einen Fuchs, der Hühner jagt,
weil Mensch zu Mensch sich weiter plagt,
um diese Erde zu bevölkern
mit süßen kleinen "Strampelbölkern",
wie man die Kinder pflegt zu nennen,
die auf der Erde krabbeln, rennen,
...

 Doch bald schon wird das Ende kommen,
dann stellt die Rennerei sich ein,
denn mancher schon hat es vernommen:
Die Erde ist für uns zu klein!
Was tut der Mensch in solchem Fall?
Er macht sich auf ins Weltenall,
um dort die Sterne zu bevölkern
mit neuen, kleinen "Strampelbölkern",
wie man die Kinder pflegt zu nennen,
die auf dem Sterne krabbeln, rennen,
...

 Doch bald schon wird das Ende kommen,
dann stellt die Rennerei sich ein,
denn mancher schon hat es vernommen:
Die Sterne sind für uns zu klein!
Dann geht es weiter noch hinaus,
mit noch viel größeren Raketen,
bis irgendwo der Sprit geht aus; 
für Menschen hilft dann nur noch Beten,
dass Gott der Vater sie beschützt
und ihnen gibt, was ihnen nützt!

 Hier sei dem Dichter es gestattet,
zu sagen, was er meint und denkt,
dass, wenn der Mann die Frau begattet,
Gottes Hand die Aktion lenkt!
 

Günter Breuer

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Als neulich...

Als neulich Peter Lobesam
zu mir nach Haus gefahren kam,
mit tausend Ostergrüßen,
da ließ ich ihn das büßen.

 Ich stellte ihm ein Bein,
dem "Schwein",
dass alle drüber lachten – 

es war schließlich Weihnachten!

Günter Breuer

 

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Forsythien

Forsythien gießen ihr Gold in den Tag.
Die frühen Blüten sind´s, die ich so mag.
Entlocken erstaunten Jubelschrei,
Forsythien sind´s - und noch ist nicht Mai.

Günter Breuer
(nach: Marlies Kühr)

 

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